Samstag, 22. Dezember 2018 11:21 Uhr

"Es ist Kopfsache" - Boffzens Lebensversicherung Fabio Mancini im Exklusiv-Interview "Es ist Kopfsache" - Boffzens Lebensversicherung Fabio Mancini im Exklusiv-Interview

Mannschaft 1: 1. FC Wunstorf

Boffzen (mm). Der mittlerweile 37-jährige Fabio Mancini sorgt in den Strafräumen des Landkreises Holzminden immernoch für Unruhe. Sein Karriereende läutete er im Juni diesen Jahres eigentlich mit einem Fünferpack gegen den TuSpo Grünenplan ein. Mit 14 Toren steht die Lebensversicherung des Tabellenelften auf Rang 4 der Torjägerliste.

Im Gespräch mit der Redaktion verrät der in Höxter wohnhafte Goalgetter, warum er weiterhin für den Kreisligisten spielt und gegen welchen aktuellen Bundesligisten er bei einem Auswahlspiel getroffen hat. Zudem blickt er auf seine Jugendzeit und seine Zeit beim MTV Fürstenberg, SV Höxter und SV Fürstenau/Bödexen zurück.

Redaktion: "Wo hast du angefangen Fußball zu spielen und in welchen Ligen warst du unterwegs? Auf welchen Positionen hast du gespielt?"

Fabio: "Ich habe meine ganze Jugend beim SV Höxter gespielt. In der C-und A-Jugend haben wir im Bezirk gespielt und in der B-Jugend sogar in der Landesliga. Ich habe anfangs auf dem Flügel im Mittelfeld gespielt. Seit der C-Jugend bin ich Stürmer. Da mir durch meinen Vater, der früher als Torwart gespielt hat, auch die Gene eines Torwarts in die Wiege gelegt wurden, hatte ich auch den einen oder anderen Einsatz im Tor."

Redaktion: "Du hast sogar bei einem Turnier, bei dem Zlatan Ibrahimovic Torschützenkönig wurde, mitgespielt?"

Fabio: "Ja, das war 1996 beim Karzcewski-Turnier in Holzminden. Wir haben dort als C-Jugendliche des SV Höxter mitgepielt. Zlatan hat zu dem Zeitpunkt bei Malmö FF gespielt und wurde mit elf Toren Torschützenkönig. Wir waren mit Bröndby Kopenhagen, Hansa Rostock und Turniersieger FC Schalke 04 in einer Gruppe und konnten gegen Bröndy Kopenhagen sogar einen Sieg einfahren."

Redaktion: "Wo hast du deine ersten Herrenjahre verbracht?"

Fabio: "Meine erste Herrenstation war tatsächlich der FC 08 Boffzen. Wir hatten eine ziemlich ambitionierte Mannschaft und haben zwei Jahre probiert aufzusteigen. Als uns das nicht gelungen und stattdessen der MTV Fürstenberg in den Bezirk aufgestiegen ist, habe ich mich den Fürstenberger angeschlossen. In der Bezirksliga sind wir mit einem Abstand von neun Zählern und 103 Gegentoren abgestiegen. Mit Spielern wie Ingo Neils, Sergej Mezker und Stefan Schikora hat's aber trotzdem Bock gemacht, sodass auch dieses Jahr ein gutes für meine Entwicklung war."

Redaktion: "Haben sie bei den 103 Gegentoren nicht auch mal gefragt, ob du ins Tor gehen kannst (augenzwinkernd)?"

Fabio: "Tatsächlich stand ich auch in Fürstenberg einmal im Tor. Das war im Kreispokalspiel gegen den MTV Bevern, für den ja auch mein späterer Trainer Andrej Weibert gestürmt hat. Nach einer Roten Karte an unseren Torwart stand ich bis zur Halbzeit im Tor und habe die Null gehalten. Leider haben wir das Spiel dann doch verloren."

Fabio Mancini setzt zum Befreiungsschlag an.

Redaktion: "Lange Zeit hast du für den SV Fürstenau/Bödexen gespielt. Wie kam dein Wechsel dorthin zu Stande und warum denkst du an diese Zeit so gerne zurück?"

Fabio: "Genau. Ich war zweimal beim SV Fürstenau/Bödexen. Ich bin nach dem Abstieg mit Fürstenberg durch Rene Martin, der ebenfalls in Fürstenberg gespielt hat, beim SV gelandet. Wir haben 3 Jahre lang in der Bezirksliga und drei Jahre in der Kreisliga A gekickt. Nach 2 Jahren in Höxter, bin ich ein zweites Mal in Fü/Bö gelandet. Der Zusammenhalt in der Mannschaft war einfach super. Besonders die Derbys gegen den SV Brenkhausen/Bosseborn waren immer ein Highlight. Dort haben wir meist vor 600 Zuschauern gespielt. Unsere A-Junioren haben uns mit Bengalos, Pauken und Bannern bis zum Schluss nach vorne gepeitscht. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich ein Derby vor so einer Zuschauerkulisse gerne nochmal erleben."

Redaktion: "Zu diesen Zeiten hast du nicht nur in den Strafräumen auf Kreis-/ und Bezirksebene für Furore gesorgt. Du konntest auch gegen einen Bundesligisten ein Tor erzielen. Wie kam es dazu?"

Fabio: "Im Sommer 2006 habe ich mit der Weserbergland-Auswahl gegen den Bundesligisten Hannover 96 gespielt. Nach einem Querpass von meinem damaligen Teamkollegen Christian Dobrott tauchte ich vor Robert Enke auf und netzte aus Nahdistanz zum 1:0 ein. Das war ein sehr schönes Spiel, auch wenn wir am Ende mit 2:12 verloren haben. Bei 96 standen unter anderem Altin Lala, Thomas Brdaric und Jiri Stajner auf dem Platz. Mit Boffzen haben wir gegen Borussia Mönchengladbach gespielt. Bei einem hohen Rückstand musste das Spiel wegen Unwetter jedoch abgebrochen werden. Mit Fürstenberg habe ich darüber hinaus noch gegen den VfL Wolfsburg gespielt. Ich musste bei Standards wegen meiner Körpergröße gegen Diego Klimowicz verteidigen (lacht)."

Redaktion: "Wie kam dein Wechsel zurück nach Boffzen zu Stande? Was hast du mit Boffzen erreicht?"

Fabio: "Ich habe immer gesagt, dass ich da aufhören möchte, wo ich meine ersten Herrenjahre bestritten habe. Der Kontakt kam über Sebastian Fricke zu Stande. Nach einem Gespräch mit Hartmut Altmann habe ich dann in der Winterpause zugesagt. Wir sind zweimal aufgestiegen, in einer Saison als Meister und in der anderen Spielzeit über die Relegation. Zudem haben wir in Bevern gegen den TSV Pegestorf und in Kirchbrak gegen den TSV Kirchbrak den Kreispokal geholt."

Redaktion: "Warum habt ihr es beide Male nicht geschafft ,die Klasse in der Bezirksliga zu halten?"

Fabio: "Wir hatten in beiden Jahren viel Verletzungspech. Von der Qualität hätten wir eigentlich mithalten können. Für jeden Kreisligisten ist es in Niedersachsen ein großer Sprung in die Bezirksliga. Dort werden andere Maßstäbe gesetzt."

Redaktion: "In Boffzen hast du viel erreicht. Ganz besonders unter Andrej Weibert. Wie ist dein Verhältnis zu ihm? Seid ihr noch im Kontakt?"

Fabio: "Andrej ist ein geiler Trainer und Typ. Wenn er nicht gerade in Kasachstan wäre, würde alles in die Wege setzen, um uns zu unterstützen. Als ich gekommen bin, habe ich zunächst zwei Spiele im Sturm gespielt und auch gleich ein Tor geschossen. Dann hat er in mir einen Fabio Cannavaro entdeckt, sodass ich gemeinsam mit Christopher Leßmann in der Innenverteidigung gespielt habe. Wir sind immernoch im Kontakt und freue mich schon, wenn er wieder hier ist und wir uns treffen können."

Redaktion: "Wie war es an der Seite von Marec Wenzel zu spielen?"

Fabio: "Ich habe die Zeit genossen. Er ist ein geiler Typ und war auch ein richtig guter Kicker. Schade, dass er aufgehört hat, ich hätte gern weiter mit ihm zusammengespielt."

Redaktion: "Auch an der Seite von Fatmir Vata durftest du auflaufen. Was war das für ein Gefühl?"

Fabio: "Ich fand es mega gut. Wenn man auf Profis trifft, denkt man natürlich erst, dass sie ziemlich hochnäsig sind, aber Fatmir ist da ganz anders. Er ist ganz normal mit uns umgegangen und hat natürlich auch vor und nach den Spielen von seiner Profizeit, insbesondere über die Situation mit Oliver Kahn und die Abende mit Ansgar Brinkmann, erzählt."

Redaktion: "Eigentlich wolltest du im Sommer deine Fußballschuhe an den Nagel hängen und nur noch als Co-Trainer beim FC08 tätig sein. Warum spielst du wieder und ist diese Saison deine letzte Spielzeit?"

Fabio: "Wenn man den Fußball wie ich liebt, dann ist es sehr schwer aufzuhören. Fakt ist, dass bereits in der Vorbereitung die Spielerzahl trotz des großen Kaders eng wurde und wenn man mich fragt, ob ich aushelfen kann, ich auch nicht Nein sagen kann. Wenn ich mir keine schwere Verletzung zuziehe, dann werde ich auch in der nächsten Saison das blau-gelbe Trikot tragen. Bei einer schweren bzw. langfristigen Verletzung werde ich aber definitiv Schluss machen."

Fabio Mancini setzt zum Konter an.

Redaktion: "Zur Winterpause steht ihr mit 14 Punkten auf dem elften Tabellenplatz. Warum läuft es bei euch in dieser Saison nicht so rund? Was muss besser werden?"

Fabio: "Wir kriegen in dieser Saison einfach keine Konstanz in unser Spiel. Gegen Grünenplan spielst du die erste Halbzeit schlecht, wachst erst in der Halbzeitpause auf und spielst eine super zweite Halbzeit, was aber letztlich zu spät war. Gegen Hehlen führst du mit 2:0 zur Halbzeit und verlierst noch mit 4:5. In Holzminden haben wir gewonnen und im nächsten Heimspiel wieder gegen die SG GoLüWa verloren. Es ist einfach Kopfsache und generell die Einstellung zum Fußball, die bei uns besser werden muss."

Redaktion: "Wie sieht eure Vorbereitung aus? Welches Ziel habt ihr für die Rückrunde?"

Fabio: "Wir werden in Kooperation mit einem Fitnessstudio trainieren. Zudem werden wir Anfang Februar erstmals gemeinsam mit unserer Damenmannschaft unser Trainingslager in Lastrup beziehen. Wir wollen zunächst einmal eine vernünftige Vorbereitung hinlegen und dann möglichst schnell viele Spiele gewinnen, um aus den unteren Tabellenregionen rauszukommen. Ich hoffe, dass wir die Lust am Fußballspielen wiederfinden werden."

Redaktion: "Wer wird die Meisterschaft holen?"

Fabio: "Ich denke, wenn Grünenplan auch zu Beginn der Rückrunde konstant bleibt, wird es sehr schwer für die anderen Mannschaften, sie zu überholen. Aber in der aktuellen Kreisligastaffel kann bekanntlich jeder jeden schlagen."

Redaktion: "Das Herz und die Seele des FC 08 Boffzen ist Hartmut Altmann, der in Barsinghausen schon bald den NFV-Ehrenamtspreis entgegennehmen darf. Wie sehr freust du dich für ihn?"

Fabio: "Mit Hartmut hat es definitiv den Richtigen getroffen. Er ist immer für jeden da, egal ob's um Fußball oder private Angelegenheiten geht. Ich habe selten einen Vorsitzenden wie ihn gesehen. Ich freue mich sehr für ihn."

Redaktion: "Kannst du dir vorstellen jemals als Trainer einer Herrenmannschaft tätig zu sein und wie stellst du dir die Zeit nach deiner spielerischen Laufbahn vor?"

Fabio: "Ich werde auf keinen Fall Trainer einer Herrenmannschaft. Ich habe ja bereits das ein oder andere Spiel Pierre Gröne an der Seitenlinie vertreten und feststellen müssen, dass das nichts für mich ist. Für mich besteht dabei absolute Herzinfarktgefahr, da ich mich einfach zu sehr hineinsteigere. Boffzen ist für mich zu einer Herzensangelegenheit geworden, sodass ich mir vorstellen kann, nach der spielerischen Laufbahn weiterhin als Co-Trainer der Herrenmannschaft tätig zu sein oder im Jugendbereich etwas übernehmen. Wir werden dann sicher eine Position im Verein finden."

Redaktion: "Du hast in einige Mannschaften gespielt und viele Spieler kennengelernt. Wenn du nochmal ein Spiel mit einer deiner bisherigen Mannschaft bestreiten könntest, mit welcher würdest du nochmal auf den Platz gehen wollen?"

Fabio: "Meine Wahl würde ganz klar auf die damalige B-Jugend vom SV Höxter treffen. Es wäre schon cool nochmal ein Spiel mit Spielern wie Michael Puhl, Ugur Durmaz und Serhat Kara zu bestreiten."

Redaktion: "Fabio, danke für das Interview. Wir wünschen dir ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr."

Fabio: "Sehr gern. Das wünsche ich euch und euren Lesern auch."

Foto: mm

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